Rekord-Dividenden trotz Wirtschaftsflaute – wie passt das zusammen?

 Es klingt wie ein Widerspruch: Deutschland steckt wirtschaftlich fest, doch die DAX-Konzerne schütten so viel Geld aus wie nie zuvor. Für das vergangene Geschäftsjahr überweisen die 40 größten börsennotierten Unternehmen insgesamt rund 55,3 Milliarden Euro an ihre Aktionäre – ein Plus von knapp sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Rekord.

 Die Spitzenreiter und das große Bild

Ganz vorne steht wieder einmal die Allianz mit rund 6,5 Milliarden Euro, dahinter folgen die Deutsche Telekom und Siemens. 25 der 40 Unternehmen drehen den Geldhahn sogar noch weiter auf, nur zehn zahlen weniger als im Vorjahr. Gerade einmal ein einziges DAX-Mitglied geht komplett leer aus. Offenbar haben sich viele Großkonzerne trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds erstaunlich gut geschlagen.

Autobranche unter Druck

Schaut man genauer hin, zeigt sich allerdings ein gemischtes Bild. Besonders die Autobauer müssen kürzertreten. BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen senken ihre Dividenden teils deutlich. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Gewinne schrumpfen, gleichzeitig verschlingt der Umbau Richtung Elektromobilität enorme Summen, und die Restrukturierung ganzer Geschäftsbereiche kostet zusätzlich. Wer als Aktionär in der Autobranche investiert ist, spürt also unmittelbar, dass die Transformation ihren Preis hat.

Banken und Industrie im Aufwind

Ganz anders sieht es bei den Finanzinstituten aus. Commerzbank, Deutsche Bank und auch der Triebwerkshersteller MTU können ihre Dividenden teils kräftig anheben – getragen von deutlich gestiegenen Gewinnen. Rechnet man Sondereffekte heraus, stehen viele dieser Unternehmen solide da oder haben sich sogar spürbar verbessert.

Das Geheimnis hinter den Rekordzahlen

Warum können die DAX-Konzerne trotz schwacher deutscher Konjunktur so viel ausschütten? Die Antwort ist im Grunde einfach: Die meisten von ihnen verdienen den Großteil ihres Geldes im Ausland. Was in Deutschland an Kaufkraft und Wachstum fehlt, gleichen sie durch ihre globale Aufstellung aus. Hinzu kommt, dass einzelne Branchen – allen voran Versicherungen und Banken – von weltweit günstigen Rahmenbedingungen profitieren.

 Wie geht es weiter?

Ob sich dieser Rekord wiederholen lässt, ist allerdings fraglich. Viele Experten sind skeptisch. Gerade in der Industrie stehen gewaltige Investitionen an – für Digitalisierung, Klimawende und neue Geschäftsmodelle. Das Geld, das heute in Dividenden fließt, fehlt morgen möglicherweise für genau diese Zukunftsprojekte.

Und genau hier liegt der eigentliche Knackpunkt: Hohe Ausschüttungen machen Aktien kurzfristig attraktiv, keine Frage. Doch wenn Unternehmen gleichzeitig dringend in ihre eigene Zukunft investieren müssen, stellt sich unweigerlich die Frage, ob das Geld nicht an anderer Stelle besser aufgehoben wäre. Dieser Spagat zwischen Aktionärspflege und Zukunftssicherung dürfte die Konzerne in den kommenden Jahren noch intensiv beschäftigen.

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