Waffenruhe zwischen USA und Iran: Eine Atempause – aber wie lange hält sie?
Es war buchstäblich eine Einigung in letzter Minute: Kurz bevor ein amerikanisches Ultimatum ablief, haben sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe verständigt. Dass es überhaupt so weit kam, ist vor allem Pakistan zu verdanken, das sich als Vermittler einschaltete, als die Lage zu kippen drohte. Im Kern sieht die Vereinbarung vor, dass Teheran die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr öffnet – und Washington im Gegenzug auf die angedrohten Luftangriffe gegen iranische Infrastruktur verzichtet. Zumindest vorerst.
Wie es so weit kommen konnte
Was dieser Einigung vorausging, lässt sich nur als beispiellose Eskalation beschreiben. US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran ein Ultimatum gestellt: Sollte die Blockade der Meerenge andauern, werde man Kraftwerke, Brücken und andere zivile Infrastruktur großflächig zerstören. In den sozialen Medien sprach Trump vom möglichen „Untergang einer ganzen Zivilisation" – Worte, die weltweit Entsetzen auslösten. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, der Vatikan und zahlreiche europäische Diplomaten verurteilten die Drohungen als klaren Verstoß gegen das Völkerrecht.
Teheran blieb seinerseits nicht stumm. Die iranische Führung drohte mit Angriffen auf israelische Erdgasfelder im Mittelmeer. Und während auf der politischen Bühne die Worte flogen, wurde im Hintergrund offenbar bereits digital geschossen: Die zuständige US-Behörde CISA meldete gezielte iranische Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturnetze in den Vereinigten Staaten.
Pakistans Vermittlung als Wendepunkt
Dass aus dem Ultimatum keine Bomben wurden, ist maßgeblich dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif zu verdanken. Seine diplomatische Intervention öffnete ein Fenster, das kurz davor war, sich endgültig zu schließen. Grundlage der Einigung ist ein iranischer Zehn-Punkte-Plan, den beide Seiten offenbar als brauchbare Verhandlungsbasis akzeptierten – das bestätigten sowohl iranische Staatsmedien als auch Vertreter des Weißen Hauses. Irans Außenminister Abbas Araghtschi verkündete daraufhin offiziell die Freigabe der Straße von Hormus für zivile Schiffe.
Die Märkte atmen auf – die Region nicht
Die Nachricht schlug an den Rohstoffmärkten wie eine Bombe ein – allerdings im positiven Sinne. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent fiel um rund 16 Prozent auf etwa 92 US-Dollar pro Barrel. Innerhalb weniger Stunden wurden kriegsbedingte Risikoaufschläge nahezu komplett abgebaut. Auch die asiatischen Börsen reagierten mit kräftigen Kursgewinnen.
Doch während Händler in Tokio und Shanghai aufatmeten, heulten in Israel weiterhin die Sirenen. Selbst nach der offiziellen Verkündung der Feuerpause schlugen Raketen im Zentrum und Süden des Landes ein, Flugabwehrsysteme waren im Dauereinsatz. Und auch Katar bekam die Auswirkungen des Konflikts zu spüren: Vier Zivilisten wurden dort durch Trümmerteile einer im Luftraum abgefangenen iranischen Rakete verletzt. Von einer echten Waffenruhe am Boden – und in der Luft – kann also noch keine Rede sein.
Im Iran selbst herrscht derweil eine andere Art von Krieg
Während die Diplomaten verhandeln, nutzt das iranische Regime die Kriegsatmosphäre, um im Inneren die Zügel weiter anzuziehen. Die Justizführung hat die Gerichte öffentlich aufgefordert, Verfahren zu beschleunigen und Todesurteile im Zusammenhang mit dem Konflikt schneller zu vollstrecken. Gleichzeitig bleibt das globale Internet für die iranische Bevölkerung gesperrt – den Menschen steht fast ausschließlich ein staatlich zensiertes Intranet zur Verfügung. Es ist die bittere Kehrseite einer Krise, die nicht nur zwischen Staaten, sondern auch gegen die eigene Bevölkerung geführt wird.
Wie es jetzt weitergeht
Die eigentliche Arbeit beginnt erst. Am kommenden Freitag sollen in Islamabad formelle Gespräche zwischen hochrangigen Delegationen aus Washington und Teheran stattfinden – wieder unter pakistanischer Vermittlung. Das Ziel ist ambitioniert: ein längerfristiges Abkommen, das über die fragile Zwei-Wochen-Frist hinausreicht. Das Pentagon will zudem zeitnah darüber informieren, wie die Feuerpause militärisch umgesetzt und die eigenen Truppen in der Region neu aufgestellt werden.
Zwei Wochen sind nicht viel Zeit. Aber nach Wochen am Rand eines offenen Krieges sind sie mehr, als viele zu hoffen gewagt hatten.