Der Friedensengel von Hannover: Russen-Schröder rettet die Welt

Nach vier Jahren Krieg hat Putin die rettende Idee gefunden – und der Mann für den Job war die ganze Zeit direkt neben dem Aufsichtsratsbüro.

Endlich können wir alle aufatmen. Nach über vier Jahren dieses lästigen Konflikts in Osteuropa hat Wladimir Putin, seines Zeichens lupenreiner Demokrat und Friedensnobelpreisträger der Herzen, im Mai 2026 die rettende Idee aus dem Hut gezaubert. Die „Ukraine-Angelegenheit" – welch charmanter Euphemismus für einen Angriffskrieg – neige sich dem Ende zu, verkündete der Kremlchef feierlich. Und wer könnte den Schlussstrich unter diese kleine nachbarschaftliche Meinungsverschiedenheit wohl besser ziehen als der neutralste Mann der Weltgemeinschaft: Gerhard Schröder.

Dass da wirklich noch niemand früher draufgekommen ist, grenzt an ein diplomatisches Totalversagen des Westens.

Es ist ein geradezu genialer Schachzug. Schließlich steht der Altkanzler wie kein Zweiter für absolute Unbefangenheit, wenn es um Russland geht.

Seine lukrativen und völlig uneigennützigen Tätigkeiten für russische Öl- und Gaskonzerne waren bekanntlich stets nur ein bescheidenes Hobby – quasi ein ehrenamtlicher Beitrag zur Völkerverständigung. Wenn Gerhard sich demnächst mit Wladimir an den extralangen Tisch setzt, wird schonungslos hart verhandelt, das ist sicher. Vielleicht darüber, ob Nord Stream 3 direkt durch Kiew gebaut wird oder ob die Pipeline erst hinter dem neuen russischen Grenzstein in der Westukraine beginnt.

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Aber warum sollte der Friedensengel aus Hannover die Last der Weltgeschichte ganz allein auf seinen maßgeschneiderten Schultern tragen? Um die absolute Unparteilichkeit dieser diplomatischen Meisterleistung zu garantieren, sollte man Schröders Taskforce unbedingt um weitere, völlig unvoreingenommene Experten erweitern. Ein echtes Dreamteam des Friedens drängt sich geradezu auf.

Mit den Wagenknechten und der AfD-Führungsriege am Tisch hätte man sofort ein ausgewogenes Positionspapier parat, in dem die Ukraine im Grunde nur noch unterschreiben muss, dass sie an ihrem rücksichtslosen Überfall auf russische Panzerkolonnen ganz allein schuld ist. Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier könnten selbstverständlich als moralische Stützen reaktiviert werden – schließlich haben sie in der Vergangenheit ein unübertroffenes Händchen für die weitsichtige Beschwichtigung des Bären bewiesen. Gemeinsam würde diese geballte Kompetenz unparteiischer Friedensstifter dem Kreml zweifellos auf Augenhöhe entgegentreten.

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Dass die Bundesregierung und die baltischen Staaten dieses großzügige Angebot als „Scheinangebot" und zynische Strategie abtun, zeugt natürlich nur von typisch westlicher Verbohrtheit. Wie erfrischend ist es da, dass wenigstens Teile der SPD einen kühlen Kopf bewahren. Adis Ahmetović und Ralf Stegner haben völlig recht: Man darf eine solche Jahrhundertchance nicht leichtfertig verstreichen lassen. Man muss jedes Angebot ernsthaft prüfen – ganz besonders dann, wenn es von einem Mann kommt, der seine Bedingungen seit Jahren um keinen Millimeter angepasst hat.

Starrsinn ist schließlich auch eine Form der Verlässlichkeit.
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Am Ende wird dieser hochkarätige Vermittlungsausschuss unter Schröders Führung sicherlich einen historischen Kompromiss finden, der alle Seiten zufriedenstellt. Die Ukraine zahlt selbstverständlich großzügige Reparationen an Moskau für die unverschämte Abnutzung der russischen Artilleriegeschosse an ukrainischen Wohnblöcken, die Regierung in Kiew bittet offiziell um Entschuldigung dafür, dass sie sich nicht schon am ersten Tag ergeben hat – und Gerhard Schröder bekommt als kleines Dankeschön den Aufsichtsratsvorsitz der neu gegründeten „Ostukrainischen Gas- und Friedensgesellschaft mbH".

Ein wahrer Triumph der Diplomatie. Man muss nur noch ungläubig auf den Kalender schauen, um sich zu vergewissern, dass heute nicht der 1. April ist. 

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