GameStop prüft offenbar Übernahmeangebot für eBay

Klingt zunächst wie ein schlechter Witz, ist es aber offenbar nicht: GameStop – der angeschlagene US-Videospielhändler, der vor wenigen Jahren vor allem durch Reddit-getriebene Kurskapriolen von sich reden machte – erwägt einem Bericht des Wall Street Journal zufolge eine Übernahme von eBay. Das Blatt beruft sich dabei auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sein sollen.

Demnach hat GameStop bereits eine Beteiligung an eBay aufgebaut und könnte noch in diesem Monat ein konkretes Angebot vorlegen. Sollte eBay sich gesprächsunwillig zeigen, würde GameStop-Chef Ryan Cohen dem Bericht zufolge kurzerhand die Aktionäre direkt ansprechen – eine ungewöhnliche und durchaus aggressive Taktik.

David will Goliath schlucken

Das offensichtlichste Problem: GameStop ist gemessen an der Börsenbewertung deutlich kleiner als eBay. eBay kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von rund 46 Milliarden US-Dollar, GameStop auf etwa zwölf Milliarden. Ein Unternehmen, das weniger als ein Viertel seines Übernahmeziels wert ist, will eben jenes schlucken – das geht in der Regel nur mit massiver Fremdfinanzierung, einer großzügigen Aktienkomponente oder einer besonders kreativen Transaktionsstruktur. Einfach wird das in keinem Fall.

Warum das trotzdem eine gewisse Logik hat

So absurd die Kombination auf den ersten Blick wirkt, ganz aus der Luft gegriffen ist sie nicht. Beide Unternehmen kämpfen seit Jahren mit dem gleichen Grundproblem: Das ursprüngliche Geschäftsmodell trägt nicht mehr so, wie es einmal sollte.

GameStop leidet unter der zunehmenden Digitalisierung des Spielemarkts und hat seine Filialen in den vergangenen Jahren deutlich ausgedünnt. Gleichzeitig versucht das Unternehmen, sich als Anlaufstelle für Sammlerartikel, Spielzeug und Sammelkarten neu zu erfinden. eBay wiederum ist in exakt diesen Kategorien seit Langem zu Hause. Wer Pokémon-Karten, Retro-Konsolen oder limitierte Actionfiguren kauft oder verkauft, landet häufig auf beiden Plattformen. Die Schnittmenge bei den Kundengruppen ist also durchaus real.

Was Ryan Cohen davon hat

Für GameStop-Chef Ryan Cohen, der einst den Onlinehändler Chewy groß gemacht hat, wäre ein solcher Deal auch persönlich bedeutsam. Im Januar wurden ihm Optionen auf mehr als 171 Millionen GameStop-Aktien zugesprochen – allerdings nur dann, wenn er die Marktkapitalisierung des Unternehmens auf 100 Milliarden US-Dollar treiben kann. Eine Übernahme von eBay wäre ein gewaltiger Schritt in diese Richtung und würde GameStop auf einen Schlag in eine ganz andere Liga katapultieren.

Börse reagiert – aber Vorsicht

Die Märkte haben die Nachricht bereits aufgegriffen: eBay-Aktien legten im nachbörslichen Handel spürbar zu, auch GameStop notierte höher. Das zeigt, dass Investoren die Möglichkeit zumindest nicht völlig ausschließen. Es zeigt aber auch, wie empfindlich die GameStop-Aktie auf jede strategische Schlagzeile reagiert – eine direkte Folge der Meme-Aktien-Vergangenheit, die dem Unternehmen bis heute anhaftet.

Spekulation bleibt Spekulation

Was bleibt am Ende? Vor allem: Einordnung. Dass Medien über ein mögliches Vorgehen von GameStop berichten, ist belegt. Alles andere – ob ein formelles Angebot tatsächlich kommt, wie es finanziert werden soll, und ob eBay oder seine Aktionäre überhaupt mitspielen würden – ist offen. Entscheidend werden offizielle Mitteilungen der beteiligten Unternehmen oder entsprechende regulatorische Meldungen sein.

Bis dahin gilt: interessante Geschichte, aber eben noch keine Transaktion.

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