Inflationsrate in Deutschland steigt im April 2026 auf 2,9 Prozent

Die Inflationsrate in Deutschland hat sich im April 2026 weiter beschleunigt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in seiner am 12. Mai 2026 veröffentlichten Pressemitteilung mitteilt, lag die Teuerungsrate, gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat, bei +2,9 Prozent. Dies stellt eine Zunahme gegenüber dem März 2026 (+2,7 Prozent) und dem Februar 2026 (+1,9 Prozent) dar. Gegenüber dem Vormonat März 2026 erhöhten sich die Verbraucherpreise um 0,6 Prozent. Das vorläufige Ergebnis wurde bestätigt.

Als wesentlicher Treiber der gestiegenen Gesamtinflation erweisen sich erneut die Energiepreise. Diese lagen im April 2026 um 10,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, nachdem im Februar 2026 noch ein Rückgang von 1,9 Prozent zu verzeichnen gewesen war. Destatis-Präsidentin Ruth Brand führt diese Entwicklung maßgeblich auf die Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten sowie die daraus resultierenden Verwerfungen auf den Rohölmärkten zurück. Besonders ausgeprägt fiel der Preisanstieg bei Kraftstoffen aus (+26,2 Prozent gegenüber April 2025). Noch stärker verteuerte sich leichtes Heizöl mit +55,1 Prozent. Aufgrund des geringen Gewichtsanteils von Heizöl an den privaten Konsumausgaben blieb die Haushaltsenergie insgesamt jedoch mit -0,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Strom (-4,5 Prozent), Erdgas einschließlich Betriebskosten (-3,0 Prozent) und Fernwärme (-1,1 Prozent) waren im April 2026 weiterhin günstiger als ein Jahr zuvor. Die zum 1. Mai 2026 in Kraft getretenen Entlastungsmaßnahmen, wie die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, fanden in den April-Daten noch keine Berücksichtigung.

Die Preise für Nahrungsmittel stiegen im April 2026 um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und lagen damit unterhalb der Gesamtteuerungsrate. Innerhalb dieser Gruppe zeigten sich differenzierte Entwicklungen: Preiserhöhungen wurden insbesondere bei Zucker, Marmelade, Honig und anderen Süßwaren (+6,6 Prozent), Fisch (+3,7 Prozent), Fleisch (+3,6 Prozent), Obst (+3,6 Prozent) und Eiern (+14,6 Prozent) registriert. Preisrückgänge verzeichneten hingegen Speisefette und -öle (-13,9 Prozent), Kartoffeln (-14,4 Prozent) sowie Molkereiprodukte (-5,6 Prozent).

Die sogenannte Kerninflation, definiert als Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln und Energie, belief sich im April 2026 auf +2,3 Prozent. Die Preise für Waren insgesamt verteuerten sich um 2,9 Prozent gegenüber April 2025, wobei Verbrauchsgüter (+4,2 Prozent) eine stärkere Teuerung aufwiesen als Gebrauchsgüter (+0,6 Prozent). Neben Energie und Nahrungsmitteln verteuerten sich insbesondere alkoholfreie Getränke (+4,1 Prozent) und Tabakwaren (+6,2 Prozent). Preisrückgänge wurden unter anderem bei Haushaltsgroßgeräten (-2,4 Prozent) und Geräten der Unterhaltungselektronik (-6,1 Prozent) festgestellt.

Im Dienstleistungssektor betrug die Teuerungsrate im Jahresvergleich +2,8 Prozent und lag damit knapp unterhalb der Gesamtinflationsrate. Besonders stark stiegen die Preise für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+6,8 Prozent) sowie für die kombinierte Personenbeförderung (+6,2 Prozent). Auch Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+5,0 Prozent), Freizeit- und Kulturdienstleistungen (+3,9 Prozent) sowie Gaststättendienstleistungen (+3,2 Prozent) verteuerten sich deutlich. Günstiger wurden hingegen Pauschalreisen (-3,5 Prozent).

Auf monatlicher Basis (April 2026 gegenüber März 2026) erhöhte sich der Verbraucherpreisindex um 0,6 Prozent. Die Energiepreise legten binnen Monatsfrist um 2,1 Prozent zu. Bei den Nahrungsmitteln betrug der Anstieg 0,4 Prozent. Saisonbedingt günstiger wurden Flugtickets (-3,2 Prozent) und Pauschalreisen (-2,9 Prozent).

Neben dem nationalen Verbraucherpreisindex (VPI) wird für europäische Vergleichszwecke der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) berechnet. Für April 2026 weist auch der HVPI eine Jahresrate von +2,9 Prozent aus; gegenüber dem Vormonat ergab sich ein Anstieg um 0,5 Prozent. Seit Januar 2026 unterliegt der HVPI methodischen Anpassungen sowie einer Umstellung auf die Indexbasis 2025=100.


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