Da der Koalitionsvertrag für die Jahre 2026 bis 2031 ganz aktuell ist (Stand: Mai 2026), formieren sich die ersten öffentlichen und parteiinternen Kritiken erst. Aus aktuellen Medienberichten und ersten Analysen zum Sondierungspapier und Vertragswerk lassen sich jedoch bereits folgende Hauptkritikpunkte herauslesen:
1. Kritik aus dem linken und ökologischen Flügel der Grünen
Besonders von linken und stark ökologisch orientierten Grünen wird der Vertrag als inhaltliche Zumutung. Stein des Anstoßes ist hierbei vor allem die starke Fokussierung auf die Wirtschaft und das explizite Bekenntnis zum „Autoland“. Dass der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir bei der Vorstellung stark betonte, wie wichtig die Stärkung der Automobilindustrie sei, wird intern teilweise kritisch gesehen, da klassisch-grüne Kernthemen wie radikaler Klimaschutz zugunsten wirtschaftlicher Interessen (und der Harmonie mit der CDU) in den Hintergrund rücken könnten.
2. Machtdynamik und Auftreten der CDU
Kritisch beäugt wird auch das Kräfteverhältnis innerhalb der Koalition. Obwohl die Grünen bei der Wahl mit 30,2 % knapp vor der CDU (29,7 %) lagen, haben beide Fraktionen exakt 56 Sitze im Landtag errungen. Beobachter merken an, dass sich die CDU unter Manuel Hagel teilweise so verhalte, als habe sie die Wahl gewonnen, und einen absoluten Augenhöhen-Anspruch durchsetzt. Dies weckt Zweifel, wie stark die Grünen als eigentliche Wahlsieger das Bündnis wirklich dominieren können.
3. Fehlende parlamentarische Kontrolle (schwache Opposition)
Ein demokratietheoretischer Kritikpunkt, der von Beobachtern (wie etwa dem Fachdienst markt intern) geäußert wird, betrifft die Sitzverteilung im Parlament: Die grün-schwarze Regierungskoalition verfügt mit 112 von 157 Sitzen über eine erdrückende Mehrheit[2]. Die verbliebene Opposition besteht nur noch aus der AfD (35 Sitze) und einer stark marginalisierten SPD (10 Sitze). Da SPD und AfD nicht kooperieren, kann die Regierung weitgehend "ungestört von harten parlamentarischen Auseinandersetzungen" regieren. Dies lässt die Sorge aufkommen, dass ein starkes, konstruktives Korrektiv im Parlament fehlt.
4. Skepsis an der inszenierten Harmonie
Der Vertrag ist stark von Begriffen wie „gegenseitiges Vertrauen“, „Zusammenhalt“ und dem „Handeln für das Land“ geprägt. Medienbeobachter stellen kritisch die Frage, ob diese demonstrativ zur Schau gestellte Harmonie im harten politischen Alltag Bestand haben wird oder ob sie nur rhetorische Fassade ist, um die ideologischen Gräben zwischen den beiden gleich starken Lagern zu überbrücken.
Die Kritik entzündet sich weniger an extremen Einzelmaßnahmen, sondern eher an dem sehr pragmatischen, stark wirtschaftsfokussierten Kurs (der manchen Grünen zu weit geht), dem selbstbewussten Machtanspruch der CDU und der Schwäche der parlamentarischen Opposition in dieser Konstellation.