Söder, der Rasier-Unfall-Kanzler in spe – Gott bewahre die Republik
3 Uhr morgens. Putin hat den roten Knopf in der einen, ein Wodka-Glas in der anderen Hand. Trump twittert auf Truth Social etwas Unaussprechliches über Grönland. Die Börsen brennen, der Osten wählt braun, der Westen wählt aus Verzweiflung. Und in München? Sitzt Markus Söder im Bademantel vor dem Spiegel, starrt auf die Resthaare in seinem Waschbecken und murmelt: „Mei… des is jetz' aber a bissl viel weg.“
Willkommen in der Söder-Phantasie. Einem Paralleluniversum, in dem ausgerechnet dieser Mann Kanzler werden möchte. Einem Mann, dessen größte außenpolitische Erfahrung darin besteht, eine Maß Bier korrekt zu heben. Einem Mann, der seine politische Karriere mit der Konsequenz eines defekten Navigationssystems durchquert hat: heute Atomkraft-Gegner, morgen Atomkraft-Fan, übermorgen Aiwanger-Versteher, am Wochenende dann halt Kanzlerkandidat. Hauptsache irgendwo vorne im Bild.
Und jetzt also: der historische Bart-Verlust. Inszeniert wie der Rücktritt eines Papstes, kommuniziert wie das Ende des Kalten Krieges. „Die Zeiten sind zu ernst für Burger-Fotos“, raunt er ins Mikrofon, als hätte er gerade eigenhändig den Marshallplan unterzeichnet. Brother. Du hast dich verschnitten. Das ist kein Epochenwechsel, das ist ein Friseurunfall mit Pressestelle.
Erinnert sich noch jemand an die Schweinshaxen-Ära? An den Mann, der jede Currywurst fotografierte, als wäre sie das Turiner Grabtuch? An die Selfies mit Brezn, Bier, Bratwurst, Backhendl – das komplette B-Alphabet der bayerischen Kalorienkatastrophe? Dieser selbe Mensch will jetzt staatstragend sein. Das ist, als würde Dieter Bohlen plötzlich Lyrik unterrichten.
Aber gut – genau dieser Mann will's jetzt richten. Will mit Putin verhandeln (der ihn vermutlich beim ersten Treffen fragt, ob er der Kellner ist). Will Trump beeindrucken (der noch nie von Bayern gehört hat und es auch nicht vorhat). Will die Wirtschaft retten – mit der gleichen Hand, die nicht mal einen Bartschneider beherrscht.
Man stelle sich die zukünftige Regierungserklärung vor – sollte Deutschland je den kollektiven Verstand verlieren:
„Liebe Mitbürger… ähm… die Rente ist… wupps… weg. Auch die Bundeswehr ist… also… ich wollte eigentlich nur kürzen, aber jetzt isses halt komplett ab. Gibt vielleicht neuen Schwung.“
Ovationen von der CSU-Fraktion. Aiwanger applaudiert mit beiden Händen, weil er nicht weiß, wofür. Dobrindt nickt bedeutungsschwer, ohne den Satz verstanden zu haben. Im Bundestag wird eine Schweigeminute eingelegt – für die Resthaare des Möchtegern-Kanzlers und die Restwürde der Bundesrepublik.
Deutschland 2026: Das Land, das einst Goethe, Einstein und Beethoven hervorbrachte, würde regiert von einem Mann, der nicht über die Befehlsgewalt seiner eigenen Gesichtsbehaarung verfügt. Falls die Wähler je so betrunken, verzweifelt oder geistig umnachtet sein sollten, ihm tatsächlich den Schlüssel zum Kanzleramt in die Hand zu drücken.
Bis dahin bleibt er, was er ist: ein bayerischer Ministerpräsident mit Kanzler-Komplex, halbem Bart und ganzem Ego.
Aber hey – immerhin postet er jetzt keine Döner mehr.
Fortschritt ist Fortschritt.
„Jedes Volk hat die Regierung, die seiner mentalen und moralischen Verfassung entspricht.“